Medical Center
Nach dem Feuerunfall von Niki Lauda auf dem Nürburgring und anderen schweren Unfällen auf Strecken dieser Welt haben die Verantwortlichen der FIA die grundlegende medizinische Versorgung im Motorsport neu aufgestellt. Das Medical Center ist seitdem fester Bestandteil einer permanenten Rennstrecke und durch die FIA vorgeschrieben. Die adäquate Versorgung verunfallter Rennfahrerinnen und Rennfahrer oder Teilnehmender hat oberste Priorität. Aber selbstverständlich ist das Medical Center medizinisches Hilfszentrum für Jedermann, sodass auch Teammitglieder, Gäste und Besuchende jederzeit im Medical Center versorgt werden können.
Durch den weiteren Wegfall von Krankhäusern in der Umgebung des Nürburgrings übernimmt das Medical Center - fern von seinen originären Aufgaben - bei Bedarf auch die Versorgung von Bürgerinnen und Bürgern rund um den Nürburgring. Aus diesem Grund ist das Medical Center des Nürburgrings höherwertiger und umfangreicher ausgestattet als es die eigentlichen Regularien besagen. Dieses Versorgungsspektrum als Gesundheitsfürsorge wird durch die Nürburgring 1927 GmbH & CO. KG vollauf mitgetragen und forciert.
Auch unsere kleinen Patienten können jederzeit im Medical Center behandelt werden. Hierzu steht spezielles Equipment (wir nennen es den „Kinderwagen“) bereit. Sollte ein kleiner Motorsportfan verloren gehen, ist das Medical Center ebenfalls erster Anlaufpunkt für besorgte Eltern – wir kümmern uns und veranlassen dann alles Notwendige, sogar Lautsprecherdurchsagen über die Nürburgring 1927 GmbH &CO. KG.
Das Medical Center verfügt über einen Behandlungsraum sowie zwei „Schockräume“ zur Versorgung von Patientinnen und Patienten. Bei Notwendigkeit oder wenn vorgeschrieben, kann jederzeit ein vierter Behandlungsraum in Betrieb genommen werden. Alle Räume sind mit modernster Medizintechnik, Beatmung, EKG, Sonographie und anderen in der Notfallmedizin relevanten Ausrüstungsgegenständen bestückt. Der Ablauf innerhalb des Medical Centers ist festgelegt; das originäre „MC-Team“ trainiert die Abläufe regelmäßig.
Während der Flutkatastrophe im Ahrtal wurden im Medical Center über 900 Einsatzkräfte von Feuerwehren, THW, anderen Hilfsorganisationen und sogar Bundeswehrsoldaten, welche im Flutgebiet im Einsatz waren und sich hier verletzten oder erkrankten, medizinisch versorgt.
Rettungsdienst am Nürburgring
Der Rettungsdienst am Nürburgring wird in zwei Bereichen tätig. Entsprechend der Besonderheit der Veranstaltungsstätte unterscheiden wir zwischen dem "Innen- und Außenring".
Zum Innenring gehören die Rennstrecke, die Boxengasse und das Fahrerlager. Der Außenring umfasst alle öffentlich zugänglichen Zuschauerbereiche, also Tribünen, Nürburgring-Boulevard, Park- und Campingplätze sowie die An- und Abfahrtswege. Aufgrund der Sicherheitsvorschriften der Rennsportverbände darf am Innenring an der Strecke und in der Boxengasse nur Rettungsdienstpersonal, teilweise mit Zusatzqualifikationen, eingesetzt werden.
Der Aufgabenbereich unseres Rettungsdienstes am Nürburgring ist die Notfallversorgung von Rennfahrerinnen und -fahrern, Teammitgliedern, Offiziellen und Gästen. Im Rettungsdienst am Nürburgring arbeiten aktuell rund 180 Rettungsfachkräfte. Je nach Veranstaltungsgröße und dem Bedarf an zu besetzenden Rettungsfahrzeugen wird der DRK-Rettungsdienst Nürburgring von Ortsvereinen des DRK-Kreisverbands Ahrweiler e.V. oder externen Ortsvereinen und Kreisverbänden unterstützt.
Die täglich vorgehaltenen Rettungsmittel stehen im Bedarfsfall auch der Integrierten Leitstelle in Koblenz für Einsätze zur Verfügung, nämlich dann, wenn entweder die Kolleginnen und Kollegen des Regel-Rettungsdienstes nicht verfügbar sind oder die Rettungsmittel des Nürburgrings schneller an der Einsatzstelle sind. Die Entsendung der Rettungsmittel ist seit Jahren mit dem Nürburgring abgestimmt, sodass der Nürburgring und das DRK am Nürburgring einen nicht unerheblichen Beitrag zur Notfallversorgung der Region beitragen.
Alle eingesetzten Rettungsmittel werden nach Vorgabe des aktuellen Rettungsdienstgesetz RLP besetzt – die Fahrzeuge sind entsprechend der Vorgaben und Absprache mit dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst für den Rettungsdienstbereich Koblenz ausgestattet.
Sanitätsdienst
Unsere ehrenamtlichen Kräfte des Sanitätsdienstes am Nürburgring besetzen in erster Linie die festgelegten Sanitätsstellen auf dem Gelände des Nürburgrings. Bei Großveranstaltungen wie z.B. dem 24h-Rennen oder Rock am Ring werden auch mehrere Sanitätsstellen auf den Campingplätzen installiert und betrieben. Als erster Anlaufpunkt für Besuchende der Tribünen oder Campingplätze helfen die Kolleginnen und Kollegen jedem, der ein entsprechendes Hilfeersuchen hat. Der hohe Ausbildungsstand des Sanitätsdienstes ermöglicht auch eine Versorgung von lebensgefährlichen Verletzungen oder Erkrankungen, bis das der Rettungsdienst vor Ort ist.
Das DRK am Nürburgring versteht sich als große Blaulicht-Familie. Hier ist man gerne und macht gerne seinen Dienst, was selbstverständlich dem spannenden und umfangreichen Aufgabenfeld an der größten und berühmtesten Rennstrecke der Welt geschuldet ist. Und dieser Umstand trägt dazu bei, dass der Nürburgring mit seinem DRK eine tolle Herausforderung für junge Kolleginnen und Kollegen ist – hier sieht man was, hier erlebt man was, hier lernt man was!
Bedarfsleitstelle am Nürburgring
Eine sehr große Qualitätssteigerung im Bereich Rettungs- und Sanitätsdienst am Nürburgring erfolgte 2019 mit der Inbetriebnahme einer eigens auf den Bereich Nürburgring zugeschnittenen Bedarfsleitstelle. In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden konnte zum einen eine Anlaufstelle für Notrufe am Nürburgring und zum anderen eine hochmoderne Führungsunterstützungskomponente eingerichtet werden.
Neben dem Entgegennehmen von Notrufen erfolgt von hier aus auch die Alarmierung und Disposition aller eingesetzten Rettungsmittel des DRK-Rettungsdienstes Nürburgring. Die personelle Besetzung der Bedarfsleitstellen mit ihren bis zu fünf Arbeitsplätzen Rettungsdienst erfolgt durch DRK-Personal, welches eine entsprechende Leitstellenausbildung hat oder im Hauptberuf sogar in einer Integrierten Leitstelle Dienst verrichtet.
Der Aus- und Fortbildungsstand wird sehr hoch gehalten. Das DRK-Leitstellenpersonal am Nürburgring schult die Kolleginnen und Kollegen der ILS Koblenz und hat im Umkehrschluss die Möglichkeit zu Hospitationen bei der ILS Koblenz. Eine hervorragende Zusammenarbeit, welche auch eine deutliche Arbeitsentlastung für die ILS Koblenz bei Großveranstaltungen am Nürburgring bedeutet.
Bei der Großveranstaltung „Rock am Ring“ werden in den Räumlichkeiten der Bedarfsleitstelle zusätzlich vier Arbeitsplätze zur Disposition und Führung von sogenannten Fußtrupps des Sanitätsdienstes eingerichtet. Hierfür sind bei den Hauptspielzeiten des Konzerts weitere vier DRK-Einsatzkräfte vor Ort, um bei Bedarf Fußtrupps als First Responder einzusetzen. Eine Gegebenheit, die dazu beiträgt, dass die Hilfsfristen auf dem großräumigen Festivalgelände deutlich reduziert werden können. Technisch gesehen erfolgt der Einsatz der Fußtrupps mittels Lifetracking und Alarmierungsmöglichkeit. Die Software ist dem des Rettungsdienstes gleich und ermöglicht somit einen besten Überblick über Einsätze und Einsatzlagen für die Bedarfsleitstelle, aber auch für die vorhandene Sanitätseinleitung. Die gemeinsam geführte digitale Lagekarte hält somit alle Verantwortlichen des Rettungs- und Sanitätsdienstes auf dem aktuell Laufenden.
Die jahrelange Erfahrung der Bedarfsleitstelle Nürburgring und deren hochmodernen Technik hat dazu beigetragen, dass die Zusammenarbeit zwischen DRK, Polizei und Feuerwehr noch enger und vertrauter stattfindet. Dazu gehört u.a. auch die Nutzung von Kartenmaterial oder den Alarmierungswegen durch die Bedarfsleitstelle Nürburgring.
Nach Abstimmung mit dem zuständigen Wehrleiter der Verbandsgemeinde Adenau erfolgt auch die Feuerwehrerstalarmierung, wenn zum einen die Bedarfsleistelle bei Veranstaltungen betrieben und die Feuerwehr im Außenbereich mit einem Löschzug vorgehalten wird.
Bei der verehrenden Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 wurde die Bedarfsleitstelle in Abstimmung und auf Anforderung der Behörden ab dem ersten Tag für mehrere Wochen in voller Stärke betrieben. Durch die Bedarfsleitstelle wurde der Einsatzabschnitt II (Dorsel bis Altenahr) mit notwendigen Rettungsmitteln versorgt, um die ILS Koblenz sowie den Regel-Rettungsdienst zu entlasten. Im Einsatzzeitraum wurden ca. 240 Rettungsdiensteinsätze abgewickelt.
Die Bedarfsleitstelle ist mit der seit vielen Jahren am Nürburgring verwendeten internen Notrufnummer 02691 / 302 112 nahtlos in das Kommunikationsnetz eingebunden. Gleichzeitig besteht eine ständige Verbindung zur Integrierten Leitstelle Koblenz. Notrufe, die dort über die bundesweite Notrufnummer 112 vom Veranstaltungsgelände oder aus der Region eingehen, werden automatisch an die zuständige Bedarfsleitstelle weitergeleitet.
Modernste Technik und Kommunikationsvernetzung, die nur ein Ziel hat: Die Sicherheit der Veranstaltungsteilnehmenden und Nürburgringbesuchenden auf einem qualitativ hohen Niveau zu gewährleisten. Und wie ist aus den Gründerzeiten seit Jahrzehnten im alten Fahrerlager am Ring zu lesen: "Jeder lobt, was Nürburgring erprobt!"
Aus- und Fortbildungen
Eine stetige Weiterentwicklung, ein stetiges Lernen neuer Dinge und Abläufe sind in unserem Alltag unabdingbar. So auch in Rettungsdienst, Sanitätsdienst und Medizin.
Um den hohen Ansprüchen einer adäquaten Patientenversorgung gerecht zu werden, finden im Medical Center am Nürburgring verschiedene Formate an Aus- und Fortbildungen statt. Hierzu werden hochkarätige Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Dozentinnen und Dozenten eingesetzt. In turnusgemäßem Wechsel finden die „Medical Days“ am Nürburgring statt. Eine Aus- und Fortbildung innerhalb des Motorsports, ausgerichtet durch den DMSB.
Neben anderen Lehrgängen wie z.B. einem Trauma-Lehrgang wird auch das Rettungsdienstpersonal jährlich im Rahmen der Pflichtfortbildung für Personal im Rettungsdienst RLP geschult.
Zu Saisonbeginn finden jeweils vier Termine als Saison-Auftakt statt. Bei den sogenannten „Rettungs-Infotagen“ werden den Teilnehmenden die Neuigkeiten der bevorstehenden Saison am Nürburgring mitgeteilt. Im Tagesverlauf finden auch praktische Übungen und Ausbildungen statt.
Medical Car
Vor Jahren in seiner jetzigen heutigen Form am Nürburgring ins Leben gerufen, handelt es sich hierbei um eine spezielle Form eines Rettungsmittels. Ein Medical Car ist in der Regel immer das erste medizinische Einsatzfahrzeug, das bei einem Unfall während eines Rennes zum Einsatz kommt. Bekannt sind die Medical Cars u.a. aus der Formel 1: sie sind das Fahrzeug, das beim Start hinter dem Feld mit gelben Warnlichtern hinterherfährt. Und genau das machen auch unsere Medical Car-Teams bei Rennen. Die Ausstattung entspricht nicht der eines Regel-Notarzteinsatzfahrzeuges, sondern ist in der medizinischen Ausstattung den Erfordernissen zur Erstversorgung von verunfallten Rennteilnehmenden, gemäß FIA-Richtlinien, ausgelegt.
Eine spezielle Ausbildung der Fahrerin oder des Fahrers, eine Notfallsanitäterin oder ein Notfallsanitäter sowie ein Facharzt für Anästhesie oder Unfallchirurgie ermöglichen auch den Umgang mit den eingesetzten, hochmotorisierten Fahrzeugen. Die Besatzungen unterlaufen während der Ausbildung auch fahrpraktischen Schulungen durch ehemalige Rennfahrer oder Instruktoren und erhalten bei erfolgreichem Abschluss eine 3-Jahreslizenz als Medical Car-Besatzung, welche nach Ablauf mittels Fortbildung verlängert werden muss.
Medical Intervention Car (MIC)
Medical Intervention Car (MIC) kommen bei Rallys zum Einsatz und unterscheiden sich nicht nur durch das Fahrzeugmodell von Medical Cars. Greift man bei Medical Cars in erster Linie auf PKW und Kombi, werden bei Rallys „Pick ups“ eingesetzt. Der Rettungsdienst am Nürburgring verfügt aktuell über zwei MIC, eine Mercedes X-Klasse und einem Ford Ranger.
Beide Fahrzeuge dienen auch im Normalbetrieb als NEF und verfügen daher über eine NEF-Vollausstattung. Bei anstehenden Rallys werden sie u.a. mit weiteren Feuerlöschern, Ölbindemitteln oder Gurtschlingen aufgerüstet. Außerdem führen die Medical Intervention Cars je eine Rettungsschere (Kombigerät, akkubetrieben), wie man es von den Feuerwehren für die technische Rettung kennt, mit sich.
Die umfangreiche Zusatzausstattung ist erforderlich, da ein MIC bei Rallyes im Gegensatz zu einem Medical Car auch für die technische Hilfeleistung und Rettung eingesetzt wird. Auch das Beseitigen einer Ölspur ist dann Aufgabe des MIC.
Entsprechend unterscheidet sich auch die Besatzung eines MIC von der eines Medical Cars oder eines NEF. Ein MIC ist in der Regel mit einem Medical (also Rettungssanitäterin oder -sanitäter / Notfallsanitäterin oder -sanitäter) und einem Fire-Fighter (Feuerwehrmann) besetzt. Außerdem wird das MIC bei Bedarf mit einer Notärztin oder einem Notarzt aus dem Bereich Medical Car/Extrication besetzt.